Gesellschaft und Kultur verbinden: Willkommen in der Soziokultur – Ein Berufsweg in die Öffentlichkeitsarbeit

Über die Gastautorin

Julia arbeitet unter dem Pseudonym Frau Fuchs als Deutschlehrerin und Bewerbungscoach. Sie unterstützt Jobeinsteiger und Internationals bei ihrer Jobsuche.

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Gesellschaft und Kultur verbinden: Willkommen in der Soziokultur

 

Über die Gleise führt eine Brücke: übersät mit Aufklebern mit mysteriösen, provokanten und blumigen Sprüchen. Die Kulturfabrik Löseke – kurz gesagt die KUFA – ein alter Backsteinkoloss liegt am anderen Ende der Brücke, 10 Minuten vom Hauptbahnhof Hildesheim entfernt. Das HOBO, die Bar im Erdgeschoss lädt zu einem gekühlten Getränk ein. In den oberen Geschossen finden sich Seminar-und Veranstaltungsräume sowie freie Werkstätten. Capoeira, künstlerische und gesellschaftspolitische Projekte finden dort ihr Zuhause. Konzerte und Kulturveranstaltungen finden im eigenen Konzertsaal statt, auch außerhalb in Parks der Stadt Hildesheim oder überregional werden Festivals in Kooperation mit Ehrenamtlichen organsiert. Die Kulturfabrik feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Hier werden Bildung, Kultur und Soziales zusammengebracht und grenzüberschreitende Projekte ins Leben gerufen. Die Mitarbeiter der KUFA sind sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und setzen sich leidenschaftlich für eine aktiv gelebte Kultur in ihrer Stadt ein.

Presse-und Öffentlichkeitsarbeit im soziokulturellen Bereich

Robert, der in Hildesheim Philosophie studiert hat, ist seit Januar 2017 für die Presse-und Öffentlichkeitsarbeit des soziokulturellen Zentrums verantwortlich. „Ich sorge dafür, dass die KUFA sich nach außen gut präsentiert.“, grinst Robert. Eine vielseitige Aufgabe: die Website muss regelmäßig mit neuen Infos zu Projekten und Veranstaltungen (über 700 sind es im Jahr!) versorgt werden – genauso wie die Facebook-Seite mit Tipps und Live-Videos um die Partys und Projekte bespielt werden will. Ganz klassisch wird auch der Kontakt mit der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung gepflegt. Langweilig wird es Robert bei seinem Job auf jeden Fall nicht.

Mehr als nur ein Arbeitsplatz

Vor allen Dingen ist die KUFA nicht nur ein Arbeitsplatz: hier trifft Robert auch Freunde und ist selbst kreativ tätig. Als er 2012 mit seinem Studium in Hildesheim startete, kommt er schnell zur KUFA-Crew. Er tritt dem Club VEB (kurz für VolksEigeneBar) bei, einer Gemeinschaft aus rund 20 Ehrenamtlichen, die mittwöchlich in der Kulturfabrik kostenfreie Konzerte und andere kulturelle Events veranstalten. „Mit gefiel direkt die Atmosphäre. Jeder macht mit, weil er Bock drauf hat.“, erinnert sich Robert, und fährt fort „Manche an der Bar, manche beim Booking…jeder macht das, was gemacht werden muss.“ Robert, dessen Herz für die Musik schlägt, fängt selbst an, in einer Band in Hildesheim zu spielen. Irgendwann legt er auch auf, für Partys in der Kulturfabrik – nachdem er zuvor hauptsächlich an der Bar gestanden hat.

Das Provinznest als kulturelle Spielwiese

Hildesheim ist eine kleine Stadt – manche nennen es ein verschlafenes Provinznest. Mit dem großen Konkurrenten Hannover ist es für Hildesheim schwierig, wirtschaftlich und kulturell mitzuhalten. Robert sieht in der überschaubaren Größe Hildesheims allerdings auch einige Vorteile: „Im Vergleich zu den großen Städten wie Berlin und Köln zum Beispiel ist hier wenig los. Deswegen machen hier Ehrenamtliche echt viel. Und das verbindet natürlich. Nach einiger Zeit kennt man sich dann einfach gut. Insbesondere in seinem Kreis…“

Mit Verantwortung im Ehrenamt zum Jobeinstieg

Es verwundert nicht, dass Robert weiter Erfahrung im Musikbetrieb sammelt: er ist einer von vielen Ehrenamtlichen, die das Musikfestival Folk´n´Fusion Festival planen und organisieren. Er ist mit dem Booking betraut und kümmert sich um die Musik-Acts für das Festival. Bald darauf wird er angesprochen, dass in der KUFA eine Stelle im Bereich Presse-und Öffentlichkeitsarbeit frei würde und ob er daran Interesse habe.

Mit einer Halbtagsstelle mehr Zeit für die Musik

Seit Januar ist Robert nun mit einer Halbtagsstelle dabei. Die lässt ihm genug Zeit, weiterhin seinem Hobby – der Musik – nachzugehen. „Die Lösung ist momentan ideal für mich. Ich wohne hier in einer WG und habe nicht so viele Ausgaben. Es ist super, dass ich halbtags arbeite. So kann ich mich nach der Arbeit noch mit Freunden treffen, Musik machen…“ Und in der Zukunft? „Wenn ich jetzt allein bin ist das kein Problem. Aber mit Frau und Kind wäre das natürlich was anderes. Da müsste ich wahrscheinlich schon Vollzeit arbeiten.“ Robert wird nachdenklich, „ Das Ding mit der Soziokultur ist echt, dass Du damit wenig Geld verdienst. Das sehe ich auch bei anderen hier. Da musst Du echt für brennen: für das Theater, die Musik, die Projekte. Reich wirst Du damit nämlich nicht.“ Im Moment passt es für Robert: Er ist froh, dass er seine Leidenschaft für die Musik und seinen Job verbinden kann. Es wird sich zeigen, was die Zukunft bringt.

Wie schafft man den Jobeinstieg im Bereich (Sozio-)Kultur?

Robert hat schon vor seinem Studium ein FSJ Kultur gemacht. Das kann er jedem nur empfehlen: „Ich habe einen super Einblick bekommen und konnte mir schon mal einen Überblick verschaffen, was es so alles gibt.“ Seine eigene Erfahrung zeigt auch, dass insbesondere Herzblut und Leidenschaft so wie der Austausch mit anderen Gleichgesinnten den Einstieg in den Job, insbesondere im soziokulturellen Bereich erleichtern. Sein langjähriges Engagement und seine Präsens haben ihm nun einen Einstieg in der Kulturfabrik ermöglicht.

Für wen ist die Arbeit in der Soziokultur?

Kulturmanager und Booking-Agents, PÖler, Projektbetreuer und noch mehr Menschen finden in der KUFA und in anderen soziokulturellen Einrichtungen ein berufliches Zuhause. Sie alle eint eins: das Herzblut, mit dem sie die Projekte in den Bereichen Musik, Politik, Bildung und Kunst voranbringen. Unermüdlich arbeiten sie daran, diese Bereiche einer breiten Masse von Menschen zugänglich zu machen und nicht einer gehobenen intellektuellen Schicht vorbehalten zu lassen. Sie verstehen Kultur als einen Teil der Zivilgesellschaft und setzen sich für eine starke Teilhabe und den Einsatz der Bürger an Projekten ein. Essentiell für die Arbeit im soziokulturellen Bereich ist der Wille, ein starkes Netzwerk zwischen verschiedenen Institutionen, politischen sowie gesellschaftlichen Akteuren zu etablieren und sich in die verschiedenen Bereiche hineindenken zu können.

Wenn auch Du Lust hast, Kultur und gesellschaftspolitische Themen zusammenzubringen und eine Leidenschaft für die Projektarbeit im künstlerischen Bereich hast, kann die Arbeit im soziokulturellen Bereich das Richtige für Dich sein. Lass Dich inspirieren und schaue Dich in Deinem Umkreis nach soziokulturellen Zentren und Projekten um. Wenn Du Dich bereits engagierst und Du den baldigen Jobeinstieg suchst, ist es nun ein guter Zeitpunkt in deiner ehrenamtlichen Tätigkeit eine Aufgabe mit tragender Verantwortung zu übernehmen. Hier kannst Du Deine Fähigkeiten unter Beweis stellen, Neues lernen und Dich mit spannenden Leuten austauschen. Viel Spaß beim Durchstarten!